Geschichte

  Die Legende besagt, dass Augustów seine Entstehung dem ersten Stelldichein von Sigismund August und Barbara Radziwiłł verdankt. Um das Treffen der Vergessenheit zu entreißen, ordnete der König an, am Ort der Begegnung eine Stadt zu gründen.
  Die Siedlung entstand als Zentrum, das den Handelsweg betreute und an der Übergangsstelle über den Fluss Netta am Handelsweg Litauen – Preußen – Königreich Polen lag.
  1526 verlieh Sigismund der Alte Jan Radziwiłł das Privileg, an der Übergangsstelle über den Fluss Netta am Weg von Hrodna nach Prawdzisken ein Wirtshaus zu errichten. Sigismund August träumte von einer mächtigen Stadt im polnisch-litauisch-preußischen Grenzgebiet und, um seine Träume zu erfüllen, entschied er sich, eine Stadt zu gründen. Das Standortrecht nach dem Magdeburger Recht, das die formell-rechtliche Grundlage für die Existenz der Stadt war, wurde vom König am 17. Mai 1557 in Vilnius verliehen. Der Name und das Wappen bezogen sich auf die Person des Gründers. Die Stadt von August bekam ein Wappen mit den Initialen des Königs SA sowie den Buchstaben PR (Poloniae Rex).

  König Sigismund August, der letzte der Jagiellonen, Urenkel von Władysław Jagiełło, Sohn des polnischen Königs Sigismund I. (des Alten) und Bona Sforza – einer mailändischen Prinzessin. Er wurde am 1. August 1520 in Krakau geboren. Den vorsorglichen Eltern gelang es durchzusetzen, dass Sigismund August bereits zwei Jahre nach seiner Geburt als Großfürst von Litauen anerkannt wurde. Am 20. Februar 1530 wurde Sigismund August zum König von Polen gekrönt. Es war die in der Geschichte Polens einzige Wahl „vivente rege” (zu Lebzeiten des Königs).
Bona, eine ehrgeizige und machtsüchtige Frau, leitete die Bildung ihres Sohns so, dass in ihm kein Wunsch nach Herrschaft erweckt wurde, und blieb somit mächtig.
Nach dem Willen seines Vaters wurde Elisabeth von Österreich die erste Frau des jungen Sigismund. Die Vermählung, die zur Stärkung des politischen Bündnisses mit Österreich geschlossen wurde, fand am 6. Mai 1543 statt. Bona war von Anfang an gegen diese Ehe, deswegen machte sie sich große Mühe, ihren Sohn von der jungen Ehefrau fernzuhalten. Elisabeth von Österreich starb am 15. Juni 1545, einige Tage nachdem Sigismund August die Aussteuer erhalten hatte.
Ein Jahr zuvor hatte er im Oktober auf Zureden und mithilfe der Familie Radziwiłł den Thron von Litauen bestiegen.
  Seine zweite Ehefrau lernte Sigismund August kennen, als Elisabeth noch lebte. Das Liebesverhältnis des jungen Königs und Barbara Radziwiłł dauerte mehrere Jahre. Auf Druck der Familie Radziwiłł wurde es mit der heimlichen Trauung im Sommer 1547 beendet. Die Ehe mit Barbara wurde im Königreich Polen als Mesalliance betrachtet und man verlangte, sie für ungültig zu erklären. Der Kampf für die Anerkennung der Ehe veränderte Sigismund August vollkommen. Der leichtsinnige Junge wurde zu einem verantwortungsbewussten Herrscher.
  Nach dem Tod seines Vaters bestieg Sigismund August im April 1548 den Thron von Polen. Nach heftigen Auseinandersetzungen und Meinungsstreitigkeiten mit dem polnischen Adel, Hochadel und seiner eigenen Mutter gelang es ihm, dass Barbara am 7. Dezember 1550 gekrönt wurde. Barbara starb fast sechs Monate nach der Krönung. Der Sarg mit ihrem Leichnam wurde nach Vilnius gebracht. Der König begleitete seine Geliebte auf ihrem letzten Weg. Die Reise dauerte drei Wochen. Nachts wurde der Sarg in einer Kirche aufbewahrt und der örtliche Geistliche hielt eine Trauerandacht. Die Königin wurde in der Domkapelle des Heiligen Kasimirs in Vilnius neben dem Sarkophag der ersten Ehefrau von Sigismund August begraben. Im Jahre 1553 entschied sich Sigismund August für die Heirat mit Katharina von Österreich, der Schwester seiner ersten Frau, da er dem moskauisch-habsburgischen Bündnis vorbeugen wollte. Einige Monate nach der Heirat stellte Sigismund August fest, als er von einer vorgetäuschten Schwangerschaft der Königin erfuhr, dass seine Gemahlin unfruchtbar ist. Seit diesem Zeitpunkt bemühte sich der König erfolglos um die Annullierung der Ehe.
  Die Herrschaft von Sigismund August war die Blütezeit der Adelsrepublik, und dass, obwohl noch nie zuvor in der Geschichte des Königreichs Polen so viele verschiedene und wichtige Probleme gleichzeitig zusammentrafen wie in den Jahren 1553 – 1557. Es entschieden sich das Schicksal der russischen Landgebiete, des Herzogtums Bari und Rossano, des Zaren- und ungarischen Reiches, der Einflüsse in Livland aber auch das Schicksal der Reformation in Polen und der staatlichen Reform. Die großen politischen und rednerischen Fähigkeiten, die Rechtskenntnisse, die von seiner Mutter geerbte Gerissenheit und die konsequente Einhaltung der Grundsätze der religiösen Toleranz durch den Herrscher gewährleisteten die innere Ruhe in Polen. Dabei erfreute sich der letzte der Jagiellonen großer Beliebtheit und Achtung des Adels, wodurch es ihm gelang, Reformen in dem Großfürstentum Litauen durchzuführen.
  Nach langjährigen Bemühungen gelang es Sigismund August, auf dem Lubliner Sejm im Jahre 1569 die polnisch-litauische Union einzuführen. Seit diesem Zeitpunkt sollten im Staat Polen-Litauen der Sejm, der Senat, die Herrscherwahl, die Währung und die Außenpolitik gemeinsam sein. Von dem Verlangen nach Nachkommen besessen, erließ Sigismund August den Befehl, die hübsche Barbara Giżanka, Tochter eines wohlhabenden Bürgerlichen aus Warschau, aus einem Kloster zu holen. Barbara, die der ersten Geliebten des Königs ähnelte, erfreute sich seiner Gunst. Im September 1571 ging der große Wunsch von Sigismund August in Erfüllung. Barbara Giżanka brachte eine Königstochter zur Welt. Einige Monate später starb Katharina von Österreich. Der glückliche König, der überzeugt war, dass er noch einen Erben zeugt, begann die Vorbereitungen für die Vermählung mit Barbara. Das Schicksal wollte es leider anders. Am 7. Juli 1572 stirbt der durch eine schwere Krankheit erschöpfte König im Schloss in Knyszyn. Der Tod von Sigismund August beendete die Herrschaft der Jagiellonen-Dynastie und öffnete ein neues Kapitel in der Geschichte Polens.
Nach: „Zygmunt August – żywot ostatniego z Jagiellonów” – Eugeniusz Gołębski

  Im Namen des Königs trug ein Vogt, der von dem Monarchen ernannt worden war, für die Stadt Sorge. Er überwachte unter anderen Dingen die Beachtung des Rechts, die Erfüllung der Anordnungen des Königs und die Einziehung von Steuern. Die Stadt verfügte über eine eigene Selbstverwaltung und Judikative. Zu einem vollberechtigten Bürgen von Augustów wurde jeder Eigentümer eines innerhalb der Stadtgrenzen liegenden Platzes, der einen städtischen Eid leistete.
  Außer 130 Hufen erhielt die Stadt zahlreiche Privilegien, u. a. Einkünfte aus den Maßen und Gewichten, 2 Jahrmärkte pro Jahr (zum Neujahr und am Tag des heiligen Petrus) und 2 Markttage pro Woche (am Samstag und Donnerstag). Da er neue Personen dazu bewegen wollte, sich in Augustów niederzulassen, räumte der König Sigismund August den Einwohnern der Stadt Steuerfreiheiten (zehn Jahre lang ab Verleihung der Stadtrechte) ein.
  Zu der raschen Entwicklung der Stadt trug ohne Zweifel die Niederlassung von vielen Handwerkern bei. Viele Zünfte gründeten sich hier, u. a. die Bäcker, Metzger, Schuhmacher, Schmiede und Stellmacher. Von der schnellen Entwicklung der Stadt zeugt die Tatsache, dass Sigismund August bereits im Jahre 1564 der Stadt weitere 74 Hufen gab. Der König beschloss, Augustów das Monopol auf Bierbrauen, Metherstellung und Branntweinbrennen zu geben, und verbot zugleich diese Tätigkeiten in den benachbarten königlichen Dörfern.

Hufe Flächenmaßeinheit = 30 Morgen = ca. 16,8 ha.

  Da der Aufbau der Stadt aus dem Nichts in der Zeit der Hufenreform erfolgte, beeinflusste es ihre räumliche Anordnung und trug dazu bei, dass Augustów eine der am besten geplanten Renaissancestädte in Polen war. Es wurde das für die Hufenreform charakteristische System mit einem rechteckigen Hauptmarkt und den sich im rechten Winkel schneidenden Straßen angewendet. Parallel zu dem Hauptmarkt wurde ein Platz vorgesehen, auf dem eine Kirche errichtet wurde.

Hufenreform – landwirtschaftliche Reform, die in dem Großfürstentum Litauen um die Wende des 16. und 17. Jahrhunderts eingeführt wurde. Sie bestand vor allen Dingen darin, dass die früheren Leistungen durch eine Miete, die man von der Größe und Qualität der Böden abhängig machte, ersetzt wurden. Bei der Vermessung der Böden wurde eine neue Flächenmaßeinheit – Hufe eingeführt. Die Reform trug dazu bei, dass sich die Dreifelderwirtschaft verbreitete, wozu man die Bauer verpflichtete.

  Gemeinnützige Einrichtungen und kommunale Anlagen wurden am Markt errichtet. An der wichtigsten Stelle befanden sich das Rathaus mit einem Gerichtssaal, einer Wohnung für den Gerichtsdiener und einem Gefängnis im Keller. Das zweite wichtige Gebäude in der Stadt war die Kirche. Über das erste Gotteshaus, das während des Überfalls der Tataren im Jahre 1565 niedergebrannt worden war, weiß man nichts. Die nächste Kirche brannte 1766 zusammen mit den Pfarrgebäuden, Kircheneinrichtungen und den meisten liturgischen Büchern nieder.
  Die Holzbebauung von Augustów, die bis Ende des 18. Jahrhunderts existierte, war charakteristisch für Städte und landwirtschaftliche Städtchen. Die eingeschossigen Häuser der Stadtbewohner waren mit Schindeln oder Stroh bedeckt und mit ihren Seiten zur Straße hin gewendet. Weiter von der Straße entfernt standen die Schweineställe, Pferdeställe und Speicher. Scheunen gab es hingegen in der Scheunenstraße (jetzt ul. Zygmuntowska).
  Die Stadt hatte keine Schutzmauern, es war eine offene Stadt, die aber dank dem Fluss, den sie umgebenden Seen und Moorgebieten schwer zugänglich war.
  Um die Wende des 16. und 17. Jahrhunderts war in der Woiwodschaft Podlachien nur die Stadt Bielsk – die damalige Hauptstadt der Woiwodschaft – größer als Augustów. In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts wuchs die Zahl der Siedler von Augustów stetig, in den meisten Fällen war die Bevölkerung polnisch. Vor der Schweenflut zählte die Stadt ca. 2800 Einwohner, vor allem handelte es sich dabei um polnische und russische Siedler. Genauso wie es in anderen königlichen Städten in Podlachien der Fall war, war es auch in Augustów der jüdischen Bevölkerung verboten, sich fest niederzulassen.
  Die dynamische Entwicklung der Stadt wurde, genauso wie im Falle zahlreicher anderer Städte in Podlachien, durch Kriege unterbrochen. Im Jahre 1656 brannte eine mit dem Hetman Wincenty Gosiewski verbündete, bewaffnete Tatarenschar, nachdem sie in die Stadt einmarschiert war, die Kirche, das Rathaus und einen erheblichen Teil der Bebauung nieder, etwa 500 Einwohner gerieten in Gefangenschaft. Weitere Niederlagen trugen zusätzlich zum Untergang der Stadt bei. Die Pestepidemie, die in Augustów in den Jahren 1709 – 1711 wütete, forderte unter den Bürgern viele Opfer und die großen Brände, welche die Stadt 1738 und 1766 heimsuchten, richteten schwere Zerstörungen an der Bebauung an. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts nach der Dezimierung der Bevölkerung aufgrund der Durchmärsche von Armeen und Krankheiten begannen sich in Augustów Juden niederzulassen. Im Jahre 1763 wurde ihnen das Privileg eingeräumt, eine Synagoge und eine Schule in der Stadt zu bauen, und genehmigt, einen Friedhof außerhalb der Stadtgrenzen einzurichten. Zu dieser Zeit kam es zu einem systematischen Zuwachs der Einwohnerzahl in Augustów.
  Die Einwohner von Augustów befassten sich hauptsächlich mit Landwirtschaft und der Beförderung von Waren auf Flößen von Minsk nach Danzig und Thorn. Transportiert wurden u. a. Holz, Pottasche, Teer, Pelze, Leder und Getreide. Von Danzig und Thorn wurden dagegen Waren auf Transportieren nach Minsk befördert. Die Entwicklung der Handelsbeziehungen wurde durch die schwedischen Kriege und Epidemien unterbrochen. Eine erneute Belebung erfolgte erst Ende des 18. Jahrhunderts. Augustów kam allmählich auf die Beine, es war – nach Białystok und Tykocin – die drittgrößte Stadt in Podlachien und die größte Stadt in der heutigen Suwalken-Region.

Pottasche – technisches Kaliumcarbonat, das aus Holzasche (von Laubbäumen) gewonnen und hauptsächlich zur Herstellung von Glas verwendet wurde.

  Zu den Jahrmärkten reisten Kaufleute u. a. aus Lipsk, Rajgród, Suchowola, Białygostok und sogar aus Danzig und Lemberg nach Augustów. Die größte Rolle spielten die Jahrmärkte zum Tag des heiligen Antonius von Padua (13. Juni), des heiligen Petrus (29. Juni) und des heiligen Bartholomäus (24. August). Augustów war in der Region das größte Zentrum des Pferdehandels. Ende des 17. Jahrhunderts war es auch das wichtigste lokale Handelszentrum im Grenzegebiet von Polen, Litauen und Preußen. Leider verlor es die Rolle eines wichtigen Zentrums für Fern- und Außenhandel, die es um die Wende des 16. und 17. Jahrhunderts spielte.
Nach der ersten Teilung Polens gehörte Augustów zu der Provinz Ostpreußen. Die Preußen versuchten die Stadt wirtschaftlich zu entwickeln und bauten hier ein Salzlager, Tabaklager und eröffneten ein Zollamt.
  Nach dem Frieden von Tilsit in Jahre 1807 wurde Augustów Bestandteil des gegründeten Herzogtums Warschau.
  Während des Rückmarsches des Heers von Napoléon im Dezember 1812 überquerte Napoléon höchstpersönlich mit seinen dezimierten Truppen die Brücke über dem Netta-Fluss, als er in der Stadt kurz zu Besuch war, um sich zu erholen.
  Nach der Entstehung des autonomen Königreichs Polen im Jahre 1815 wurde Augustów zu dessen Bestandteil. Infolge der neuen administrativen Aufteilung der Regionen wurde die Woiwodschaft Augustów mit Sitz in Suwalken gegründet. Die Einwohner und Stadtverwaltung bemühten sich zwei Mal darum, die Hauptstadt nach Augustów zu verlegen; die Versuche blieben leider ohne Erfolg. Der Hauptgrund für den Misserfolg war das Fehlen entsprechender Gebäude, die als Sitz für die Behörden und Wohnungen für die Beamten hätten dienen können.
  Das 19. Jahrhundert steht für die Entwicklung der Stadt am Netta-Fluss, wozu u. a. der Bau des Augustów-Kanals, der Landstraße Warschau – Petersburg und der Eisenbahnstrecke beitrug. Die Inbetriebnahme der Eisenbahnlinie Hrodna – Varėna, die hauptsächlich für den Militärbedarf gebaut wurde, führte zu einer Herabsetzung der Transportgebühren, was eine wirtschaftliche Entwicklung nach sich zog. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich auch das Handwerk, was zur preußischen Besatzungszeit begann. Der größten Beliebtheit erfreuten sich die Dienstleistungen der Tischler, Schuhmacher, Maurer, Schneider, Metzger und Zimmerer. Am profitabelsten war der Bäckerberuf. Große Einkünfte brachte auch die Bierherstellung. Im Jahre 1799 gab es in der Stadt 21 Schenken und 18 Branntweinbrennereien. Die wirtschaftliche Entwicklung hatte einen Zustrom neuer Siedler zur Folge, die damit rechneten, eine Arbeit zu finden und ihren gesellschaftlichen Status zu erhöhen. Als sich herausstellte, dass die wirtschaftliche Bedeutung des Augustów-Kanals nicht so groß ist, wie man früher dachte, ließ die Dynamik der wirtschaftlichen Entwicklung nach.
  Der Erste Weltkrieg und der polnisch-sowjetische Krieg hatten eine Veränderung in der Anzahl und Struktur der Einwohner zur Folge, vor allen Dingen fand eine Auswanderung der jüdischen und orthodoxen Bevölkerung statt.
  In der Zwischenkriegszeit erfolgte eine langsame Entwicklung der Stadt, was durch die erneute Inbetriebnahme des Sägewerks im September 1919 beeinflusst wurde, dessen Erzeugnisse u. a. nach England, Belgien, Marokko, Afrika, Ägypten und Spanien exportiert wurden. In den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts beschäftigte der dynamische Betrieb nahezu 560 Personen.
  Das konsequente Handeln der Einwohner und der Stadtverwaltung bewirkte, dass dort Mitte der dreißiger Jahre Übernachtungsobjekte mit hohem Standard entstanden. Im Jahre 1935 wurde der Offiziers-Yacht-Klub mit 200 Plätzen zur Nutzung freigegeben.
  Die große Beliebtheit von Augustów war der Grund dafür, dass die Liga für Tourismusförderung die Entscheidung traf, dort ein modernes Touristenzentrum zu bauen. Das steigende Interesse an Augustów als Touristenort bewirkte, dass die Schifffahrt für Touristen entstand. Im Jahre 1938 wurde Augustów von 15 000 Menschen besucht. In der Stadt, die in der Zwischenkriegszeit Venedig des Nordens genannt wurde, hielten sich der damalige Präsident Ignacy Mościcki, Józef Beck und Edward Rydz-Śmigły auf.
  Infolge der steigenden Bedeutung von Augustów als Touristenort verkehrte 1936 in der Sommersaison ein Sonderschnellzug erster Klasse aus Warschau, der als „Lux-Torpedo“ bezeichnet wurde.
  Die Stadt wurde als Hauptstadt für Wassersportarten immer populärer, was dazu beitrug, dass der Polnische Segelverband die Europameisterschaften im Segeln plante, die im August 1939 auf dem See Necko stattfinden sollten.
  Einen wesentlichen Einfluss auf das Erscheinungsbild der Stadt an der Netta übte das Regiment der Ulanen von Krechowce aus. Die Ulanen beteiligten sich aktiv am Leben der Stadt, sie halfen u. a. beim Aufräumen des Friedhofs und beim Bau des Stadions. Die Soldaten erfreuten sich der Zuneigung und Achtung der Einwohner, die stolz darauf waren, dass in ihrer Stadt ein elitäres Regiment der Kavallerie stationiert war. Zwischen den Offizieren und Ulanen einerseits und den Einwohnern von Augustów andererseits entstand eine kulturelle Zusammenarbeit. An nationalen Feiertagen wurden in der Stadt prächtige Parademärsche veranstaltet, auf dem Kasernengelände wurden traditionelle Pferdeschauen, Reitwettbewerbe und Kampfdemonstrationen der Kavallerie organisiert.

Erstes Oberst-Bolesław-Mościcki-Regiment der Ulanen von Krechowce – es gehörte zu den Kavallerietruppen mit der ältesten Tradition in der Zweiten Polnischen Republik der . Es entstammte der Legion von Puławski, die seit 1915 auf Seiten von Russland kämpfte. Ruhm erlangte es dank der Schlacht bei Krechowce am 24. Juli 1917, worauf sich sein Name bezieht. Es war die einzige Truppe in der polnischen Geschichte, die sich innerhalb von 24 Stunden Formationen der drei Besatzungsmächte erfolgreich widersetzte. Ehrenvoll kämpfte es bei dem Überfall auf Polen im Jahre 1939 und kapitulierte erst am 5. Oktober in der Nähe von Kock. Wiederhergestellt im Jahre 1942 im Korps des Generals Władysław Anders, machte es sich in der Italienkampagne 1944 – 1945 (Monte Cassino, Piedimonte, Bolonia) verdient.

  Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs bremste die Entwicklung der Stadt und der Region für lange Jahre. Während der sowjetischen Besatzung wurden mehrere Tausend Einwohner von Augustów und den benachbarten Orten in Güterwagen tief in die Sowjetunion hinein deportiert.
   Die Aktivitäten der Deutschen in der Region hatten zur Folge, dass junge Einwohner ins Innere des Deutschen Reiches zur Zwangsarbeit verschleppt, viele Menschen verhaftet und massenweise hingerichtet wurden. Das tragischste Schicksal erfuhren jedoch die Juden von Augustów. Bei den Hinrichtungen, die seit den ersten Tagen der Besatzung vollzogen wurden, verloren ca. 1500 Juden ihr Leben. Die übrig gebliebenen wurden zusammen mit den Einwohnern der in der Nähe befindlichen Orte in einem Ghetto, das in dem Stadtteil Baraki eingerichtet wurde, untergebracht. Der jüdische Friedhof wurde zerstört und die Grabsteine wurden im Straßenbau verwendet. Im Juli 1942 wurde das Ghetto aufgelöst und dessen Bewohner nach Treblinka verschleppt.
  Augustów erholte sich allmählich von den Kriegszerstörungen. Die mangelnde Tourismusinfrastruktur in der Nachkriegszeit und die Konkurrenz der Orte in Warmia und Masuren hatten zur Folge, dass die Stadt keine wesentliche Bedeutung für den Fremden- und Erholungsverkehr hatte. Die zwei in der Zwischenkriegszeit gebauten Übernachtungsobjekte wurden durch die Kriegsaktivitäten zerstört. Erst Ende der fünfziger Jahre begann eine intensive Entwicklung im Bereich Dienstleistungen und Tourismus. Zehn Jahre später war Augustów wieder eines der wichtigsten Touristenzentren in der Woiwodschaft Białystok. Die Polnische Gesellschaft für Heimatkunde trug wesentlich dazu bei, dass die Stadt eine so starke Position erlangte. Die erste Maßnahme der Gesellschaft war die Inbetriebnahme des Touristenhauses am See Necko. Die Mitglieder der Polnischen Gesellschaft für Heimatkunde organisierten landeskundliche Reisen in der Region. In den fünfziger Jahren tauchten auf den Seen von Augustów die ersten Schiffe auf. Im Jahre 1959 wurde von der Masuren-Schifffahrt der erste regelmäßige Schiffsverkehr aufgenommen. Die Belebung von Augustów bewirkte, dass mehrere Übernachtungsobjekte und Gaststätten, darunter das Restaurant Albatros, das durch den populären Schlager von Janusz Laskowski bekannt wurde, gebaut wurden.
  In den siebziger Jahren wurden zwei Sanatorien in Erholungszentren eröffnet. Am 14. Oktober 1993 verlieh die Ministerin für Gesundheit und Soziales der Stadt wegen der klimatischen Bedingungen und der in der Nähe entdeckten Heilschlammvorkommen den Status eines Kurortes.

Kurort
hier werden heilende ätherische Öle und Phytonzide, die von Nadelbäumen abgesondert werden, bei der Patiententherapie angewendet – sie wirken keimtötend, regulieren den Blutdruck und den Herzrhythmus und wirken sich positiv auf die Atemwege aus. In Augustów werden die Krankheiten des Kreislaufsystems, rheumatologische Krankheiten, Krankheiten des Bewegungsapparats behandelt. Zurzeit gibt es in der Stadt ein Sanatorium – Sanatorium Uzdrowiskowe „Budowlani”.


Text Beata Żukowska, nach “Augustów – Monografia historycznah” - Jarosław Szlaszyński, Andrzej Makowski





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